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Die Finanzmarktkrisen, die sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten nach dem Ende des Kalten Krieges häufen und katastrophale globale Folgen zeigen, haben viele Ursachen. Zwei eng miteinander verbundene werden in der Öffentlichkeit unter den Namen Privatisierung und Deregulierung kritisiert. Tatsächlich handelt es sich hier um einen grundlegenden weltanschaulichen Konflikt der Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik. Die bisher überwiegende Mehrheit der Regierungen weltweit, auch der Mitgliedstaaten der Europäischen Union, versprachen sich und anderen, soziale Spannungen erzeugende Dauerprobleme wie Massenarbeitslosigkeit und Geringes Wachstums durch Privatisierung und Deregulierung lösen zu können. Dass Regulierung oder Überregulierung – zudem auf der Grundlage öffentlichen Eigentums, nicht funktionieren, wurde aus der Tatsache abgeleitet, dass die sozialistischen Planwirtschaften kollabiert waren. Es zeigte sich aber, dass die Privatisierungs- und Deregulierungspolitik allenfalls zu schnellerer Konzentration, zu Kartellbildungen, Spekulation, Wirtschaftskriminalität und Korruption führt.
Diese Entwicklung vermehrt zwar den Reichtum der ohnedies schon Reichen, aber sie vernichtet auch Arbeitsplätze und selbständige Existenzen. Sie verschärft die sozialen Spannungen, die nur noch über Sozialleistungen gemildert werden können, da aber die Reichen von den Regierenden über Jahre alle Möglichkeiten geboten bekommen haben, sich gerechter Besteuerung zu entziehen, obendrein unberechtigte Subventionen zu kassieren und beschäftigungspolitisch gemeinte kommunale und staatliche Grossaufträge zu realisieren, ist die Überschuldung zu einem zentralen Problem herangewachsen, dass sogar – wie sich neuerdings zeigt - ganze Staaten in den Ruin zu treiben vermag. Auf dieser Stufe der Fehlentwicklung der Privatisierungs- und Deregulierungspolitik melden sich nun – mit Recht – wieder diejenigen zu Wort, die immer schon vor dieser Politik, die auch als Globalisierungspolitik bezeichnet wird, weil angeblich die Globalisierung der Märkte dies verlangt, gewarnt haben. Aber so richtig mehr Regulierung ist, sie kann angesichts der tatsächlichen Markt- und Machtverhältnisse, weiterhin leicht unterlaufen werden, wenn nicht endlich wirksame – möglichst präventive – Maßnahmen zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität ergriffen werden. In deren Gefolge entwickeln sich Korruption, Organisierte Kriminalität und Geldwäsche, werden demokratische Institutionen und rechtsstaatliche Garantien ausgehebelt und – im Ernstfall – verkappte oder auch offene Formen der Diktatur durchgesetzt.
Dieser Entwicklung versucht seit 20 Jahren Business Crime Control entgegenzutreten, bisher leider mit noch zu wenig Unterstützung der Medien und der Wissenschaften, die heute maßgeblich die Politik, vom Wahlverhalten bis hin zu den politischen Entscheidungen der Regierenden und des Gesetzgebers, ja sogar der Justiz beeinflussen.
Hören Sie hier ein Interview mit Prof. Dr. Hans See (MP3 / 25MB)
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